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Urheimische Notizen


Pflanzen > Urbittere Wildgemüse
Botanik

Pflanzen wie Löwenzahn (Taraxacum officinale), die gemeine Wegwarte (Cichorium intybus) oder Wild-Artischocke (Cynara scolymus) zeichnen sich allesamt durch ihren Gehalt an Bitterstoffen aus. Auch pflanzensystematisch betrachtet gehören
sie zu der gleichen Familie, nämlich den Korbblütengewächsen oder Compositae. Von der Gestalt her sind sie allerdings ganz verschieden. Die Wegwarte besticht den Betrachter mit ihren strahlend himmelblauen Blüten. Der Löwenzahn hingegen führt eher ein von den Menschen unbeachtetes Leben, wie schon allein die Bezeichnung „Kuhblume“ verdeutlicht. Welch wunderschöne Blüten die Wildartischocke hervorbringt, dürfte den meisten dagegen unbekannt sein.

Geschichte
Bitterstoffe spielten als Mittel zur Magen- und Darmpflege seit jeher eine große Rolle. Schon in mittelalterlichen Klosterrezepten aus der Umgebung der Hl. Hildegard von Bingen ist von heimischen Bitterkräutern zur Unterstützung der Verdauung die Rede. Vor fast 500 Jahren empfahl der große Kräuterbuchautor Leonhart Fuchs die bittere Wegwarte zur Stärkung des Magens und Förderung des Stuhlgangs. Im Vergleich zu unserer jetzigen Nahrung war früher vor allem das Gemüse reicher an Bitterstoffen. Heute gibt es dagegen kaum noch jemanden, der sich an bittere Gurken, Möhren oder Auberginen erinnert. Aus „modernen“ Gemüsesorten und anderen Nahrungsmitteln ist, zugunsten eines „angenehmeren“ Geschmacks, der Großteil der Bitterstoffe herausgezüchtet worden.
Dies hat zur Folge, daß eine wichtige natürliche Anregung und Regulation der Verdauung fehlt. Aber auch die Eßbremse wird ausgetrickst, denn der süßere Geschmack weckt die Lust auf mehr, ohne daß ein Bedarf besteht. Der Grund: Süße Geschmacksempfindungen lassen den Körper mehr Insulin ausschütten – ein Effekt, der wiederum mit einer Appetitstimulierung einhergeht.
Übrigens:
Wußten Sie, daß auch in der heutigen Landwirtschaft bitter schmeckende Weidepflanzen „weggespritzt“ werden, damit die Kühe mehr fressen?

Bitterstoffe
Neben der Bereitstellung von lebenswichtigen bitterstoffreichen Nährstoffgruppen, pflegen Gemüsebitterstoffe Magen und Darm und regeln die tägliche Verdauung. Darüber hinaus signalisiert der bittere Geschmack dem Körper: „Achtung, in dieser Nahrung könnte auch etwas Giftiges lauern, iß besser nicht soviel!“
Die Überlebensstrategie bestimmter Pflanzen besteht nämlich darin, für Tiere ungenießbar zu sein. Dies erreichen sie durch die Produktion von sehr bitter schmeckenden Substanzen. Tiere, und somit auch der Mensch, haben daher im Laufe der Evolution eine natürliche Eßbarriere entwickelt, sobald etwas bitter schmeckt. Einer „Überfütterung“ sind damit Grenzen gesetzt.

Positiver Nebeneffekt:
Bitterstoffe stoppen offensichtlich auch den Hunger auf Süßes. Darüber hinaus aktivieren sie die Verdauungsdrüsen wie Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse, wodurch die Verdauung schneller und vollständiger abläuft.
Einer Dysbiose (Fehlbesiedlung) des Darms und damit auch einem bauchbetonten Übergewicht wird die Grundlage entzogen. Der physiologische Grund für diesen Mechanismus ist einfach: Ohne die bittere Verdauungsanregung wird der Darm träge und es kommt zu bakterieller Fehlbesiedelung. Der Körper entwickelt dann den berühmten Rettungsring, um durch die vermehrte Produktion von Leptin, einem Hormon des Fettgewebes, die Immunabwehr zu stärken. Ist die Darmflora dagegen in Ordnung, werden auch die Fettansammlungen im Bauchbereich überflüssig und langsam von selbst abgebaut.

Weil sich unser Verdauungstrakt evolutiv bewährt hat, sollte man ihn in der seit Urzeiten vertrauten Weise versorgen. Dazu gehört eine natürliche Ernährung, die v.a. auch Bitterstoffe beinhaltet.
Auf diese Art werden sowohl Magen als auch Darm wieder in Gang gebracht. Ganz von allein stellt sich dann ein ganz normaler, seit Alters her gewohnter Ablauf des Eßverhaltens ein.

Inhaltsstoffe:
Bitterstoffhaltige Wildgemüse sind - wie der Name schon sagt - reich an Bitterstoffen. Bitterstoffe gehören  keiner einheitlichen Stoffklasse an, gemeinsames Merkmal ist lediglich der bittere Geschmack. Die Wild-Artischocke weist als bittere Hauptkomponente das Cynaropikrin, der Löwenzahn die Taraxinsäure und die gemeine Wegwarte das Intybin auf. Alle von uns gewählten bitteren Pflanzen haben urheimischen Charakter, d.h. dem Körper werden die Bitterstoffe zugeführt, die schon dem Organismus unsererer Vorfahren bekannt waren, und keine bitteren Exoten.



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