Offener Brief zur diffamierenden Griechenlandberichterstattung in der FAZ (nicht nur) am 29.1.2015

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit gutem Grund wurde den (West-)Deutschen 1949 als oberste Verpflichtung aufgetragen, niemals die Würde der Menschen anzutasten. Wenn ich jedoch die von ätzender Häme und giftiger Galle triefenden Kommentare oder tendenziösen Berichte zur Wahl in Griechenland lese, fühle ich mich in die Zeit des transatlantisch diktierten, oft freiheitsverachtenden Antikommunismus der McCarthy-Ära zurückversetzt. Und an ein Zitat des Kabarettisten Matthias Deutschmann zum ersten Paragraphen unseres Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar ... man beachte den Konjunktiv!“

Auch wenn ich weiß, daß es den Mond wenig kümmert, wenn ihn der Hund anbellt, stelle ich erbost und kritisch fest: Der mediale Balkanfeldzug gegen Griechenland, den die meinungsmächtigen deutschen „Qualitätsmedien“ einschließlich der FAZ derzeit gegen mein Vaterland führen, hat mit den Realitäten und vor allem ihren Ursachen fast nichts zu tun! So wird auf der FAZ-Titelseite vom 29. Januar mit propagandistischem Geschick Lüge und Wahrheit vermischt: Schafe mit Null-Bock als Abbildung mit bissiger Bildlegende zu sinn- und folgenlos rumquatschenden griechischen Gastwirten. Wer bemerkt dabei schon die vielleicht „witzig“ gemeinte Bildironie, dass „eigentlich“ die EU-Troika aus Schafen ohne Bock besteht, während die Griechen „nur“ blöd sind. Haha, selten so gelacht!

FAZ: „Was waren das für selige Zeiten, als griechische Gastwirte glaubten, Philosophen zu sein, nur weil sie ihre Gäste im Geiste Platons vollquatischen ...“

Eine solche Diffamierung des griechischen Souveräns (ja, auch in Griechenland geht die Staatsgewalt nominell vom Volke aus, nicht von der EU-Troika!) gibt es übrigens auch gegenüber dem deutschen Volk. Zeigt sich dieses mit seiner Führung, seinen Leitmedien oder der ungerechten Eigentumsverteilung zunehmend unzufrieden und geht dann noch auf die Straße (übrigens nach §8 des Grundgesetzes auch ein Grundrecht!), wird es als xenophobes, rechtsradikales, kriminelles, rassistisches oder islamfeindliches „Wahlvieh“ abgekanzelt.

Manchmal wünsche ich mich in die Anfangszeiten der Printmedien zurück – zu den Inseratenblättern –, deren Inhalte noch klar und ehrlich waren: Sie bestanden überwiegend aus eindeutig gekennzeichneten(!) Anzeigen irgendwelcher Firmen, Stellenangeboten, Kontaktanzeigen, Todesnachrichten oder behördlichen Bekanntmachungen. „Journalismus“ füllte höchstens den Platz zwischen den Anzeigen. Heute verkleistert er viel zu oft den Platz zwischen unseren Gehirnzellen. Die Boulevardisierung der Leitmedien hinunter auf Dschungelcamp-Niveau (Grunzen, Schnattern und gelegentliche Regurgitation sinnvoller Wortfetzen) ist eine besonders hässliche Folge des kontinuierlichen Auflagenrückgangs der Printmedien einschließlich der FAZ.

Trotzdem hoffe ich darauf – auch als griechischer Unternehmer in Deutschland! –, dass Griechenland in Zukunft nicht nur Käufer sinnloser, völlig überteuerter Waffen- oder Verkehrssysteme und anderer mit viel Schmiergeld verkauften Waren und Dienstleistungen aus diesem Land ist. Sondern – ganz im Sinne von „panta rhei“ (alles ist im Fluss) – ein freundschaftlich, in Würde akzeptierter Partner im gemeinsamen Haus Europa sein wird.

Hochachtungsvoll

gez. Dr. Georgios Pandalis