Zeitumstellung, Übergewicht und Darmflora

 

Künstliche Zeitverschiebungen können bekanntlich krankmachen, ob sie nun durch die bevorstehende Umstellung von Sommer- auf Winterzeit, Flugreisen-Jetlag, Schichtarbeit oder einen ständigen Unterschied von natürlicher Sonnen- und gesetzlicher Uhrzeit entstehen [1, 2]. Nicht klar ist, wie genau dies funktioniert. Einen neuartigen Mechanismus haben jetzt israelische Wissenschaftler erforscht: Unter der Chronosdisruption, der krankmachenden Rhythmus-Verschiebung zwischen innerer Uhr und äußeren Zeitgebern leidet nämlich nicht nur der Mensch, sondern auch seine Darmflora. Die Bakterien-Aktivität im Dunkeln des Darms wird mit der Sonnen-Rhythmik durch die Nahrungs-Zeiten synchronisiert, so vermuten die Forscher [3]. Dieser „bakterielle Jetlag“ führt dann zu Störungen bei Zusammensetzung, Menge und Funktionen der Darmflora, der sogenannten Dysbiose mit typischen Beschwerden wie Blähungen, Reizdarm, Durchfall oder Verstopfung bis hin zu Darmentzündungen.

Darmflora aus dem Takt

Chronodisruption wie bei der Sommer-/Winterzeit-Umstellung stört über beteiligte Bakterien noch viel tiefgreifender den menschlichen Stoffwechsel. So konnten französische Forscher gerade zeigen, dass Darmbakterien für die tagesrhythmische Freisetzung von körpereigenen Glukokortikoid-Hormonen (morgens viel, nachts wenig) überaus wichtig sind. Fehlen sie nämlich - zum Beispiel durch Antibiotika-Einsatz -, bleibt das natürliche Auf und Ab des Kortikoidspiegels im Blut aus und es werden durchgängig zu viele Kortikoide ausgeschüttet. Der Hypercortisolismus erhöht die Blutzucker- und Fettspiegel im Blut, führt zu Insulinresistenz, letztlich zur Zuckerkrankheit und insbesondere Übergewicht [4].

Sonnenzeit statt Uhrzeit

Damit das evolutionär entstandene, hoch komplex vernetzte Zusammenleben von Mensch und Mikrobiom optimal funktioniert, ist aber auch „Zeithygiene“ notwendig (Abschaffung der Sommerzeit-Winterzeit-Regelung [5], nur so viel Schichtarbeit wie nötig, Verzicht auf unnötige Fernreisen, natürliche Schlafenszeiten, Verzicht auf helle abendliche, nächtliche Beleuchtung). Die „Urheimische Sonnenzeit“ ist ebenfalls wichtig, da sie das Bewusstsein zurückbringt, „was die Uhr wirklich geschlagen hat“. Und zwar nicht die von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt ausgelieferte „gesetzliche Uhrzeit“, sondern die von dem grundlegenden Taktgeber der Natur – der Sonne – gelieferte Zeit. Nur mit der Rhythmik der Sonnenzeit sind wir seit Urzeiten vertraut. Nicht aber mit der krankmachenden vor rund 120 Jahren eingeführten gesetzlichen Zeit (anstatt der Ortszeit) oder der vor knapp 100 Jahren etablierten Sommer-/Winterzeit-Regelung.

Quellen
[1] Janszky I, Ahnve S, Ljung R, Mukamal KJ, Gautam S, Wallentin L, Stenestrand U: Daylight saving time shifts and incidence of acute myocardial infarction--Swedish Register of Information and Knowledge About Swedish Heart Intensive Care Admissions (RIKS-HIA). Sleep Med. 2012 Mar;13(3):237-42.
[2] Behrens T, Mester B, Hense S, Ahrens W: Weitere potenziell karzinogene Effekte der Chronodisruption. Dtsch Arztebl Int. 2011 Jan;108(1-2):8.
[3] Thaiss CA, Zeevi D, Levy M, Zilberman-Schapira G, Suez J, Tengeler AC, Abramson L, Katz MN, Korem T, Zmora N, Kuperman Y, Biton I, Gilad S, Harmelin A, Shapiro H, Halpern Z, Segal E. Elinavemail E: Transkingdom Control of Microbiota Diurnal Oscillations Promotes Metabolic Homeostasis. Cell; 2014 Oct 23;159:1-16.
[4] Mukherji A, Kobiita A, Ye T, Chambon P: Homeostasis in intestinal epithelium is orchestrated by the circadian clock and microbiota cues transduced by TLRs. Cell. 2013 May 9;153(4):812-27.
[5] www.zeitumstellung-abschaffen.de/hubertus-hilgers.html