Begründung der Philosophie
Wissenschaftliche Hintergründe

Begründung der Philosophie

Für den arglos modern denkenden Menschen stellt bereits die Bezeichnung urheimisch eine gewisse Herausforderung dar. „Was soll denn zu Zeiten der Globalisierung und angesichts der Triumphe von Chemie und Technik gerade in der Medizin ein auf die Wurzeln des Menschen ausgerichteter Ansatz für Vorteile bringen?“ so mag man sich fragen.

Doch es finden sich zunehmend wissenschaftliche Hinweise, die die urheimische Philosophie inhaltlich stützen.
Zum einen bei den akademischen Angeboten zur Ethnomedizin (Institute, Lehrstühle, Studiengänge).
Zum anderen in der modernen Arzneimittelforschung. Diese hat beispielsweise entdeckt, daß angeborene Eigenschaften erheblich die Wirkungen und Nebenwirkungen von Pharmaka beeinflussen. Diese über Gene vererbten Eigenschaften werden teilweise nur innerhalb von Familien, teilweise aber auch innerhalb ganzer Ethnien weitergegeben. Beispielsweise wird das bei OPs eingesetzte Schmerzmittel Morphin bei Kindern afrikanischer Herkunft schneller abgebaut als bei weißen Kindern. Die Dosierung muß deshalb darauf ausgerichtet werden.
Studien aus Amerika ergaben, dass wichtige physiologische Systeme bei Bluthochdruck-Kranken mit schwarzer Hautfarbe ganz anders sind als bei Weißen. Deshalb sind bei ihrer Therapie bestimmte Hochdruckmittel wie Beta-Blocker oder ACE-Hemmer weniger wirksam und Kalziumkanalblocker die Medikamente der ersten Wahl.

Klar ist heute auch, daß ethnische Unterschiede mit der geographischen Herkunft zusammenhängen. Menschen entwickeln also in der Wechselwirkung mit ihrer Lebensumwelt je nach Region unterschiedliche und vererbbare Stoffwechsel-Fähigkeiten und -Eigenschaften.

Wissenschaftliche Hintergründe

Unterstützung für die Urheimische Philosophie liefert z. B. die Pharmakogenetik, ein Zweig der modernen Arzneimittelforschung, der vor allem untersucht, wie Wirkungen von Arzneimitteln oder ihre Verstoffwechselung in der Leber („Entgiftung“) von individuellen, oft erblich bedingten Unterschieden der Menschen beeinflußt werden. Besonders bekannt geworden sind bestimmte Therapien bei Brustkrebs, die nur bei Patientinnen mit typischen Gen-Eigenschaften wirksam sind (und denen deshalb aggressive Chemotherapien erspart bleiben). Oft zeigt auch die genetisch bedingte Vielgestaltigkeit von Enzymen (sogenannte Polymorphismen) unterschiedliche Reaktionen auf Arzneimittel an. Beispielsweise bei der Thiopurin-S-Methyltransferase, die Wirkungen und Nebenwirkungen des Krebsmittels Methotrexat bei kindlichem Blutkrebs entscheidend mitbestimmt [1]. Andere Erkenntnisse betreffen die ethnische oder regionale Herkunft von Patienten. So stehen in den USA die ersten „ethnischen“ Arzneimittel vor der Zulassung, durch die Patienten schwarzer Hautfarbe mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen – und nur sie – eine um mehr als 40% niedrigere Herzinfarkt-Sterblichkeit erreichen. Auch die moderne Kardiologie nutzt also die offenbar gravierenden Unterschiede zwischen Menschen, die schon seit Jahrhunderten im selben Land leben oder erst seit kurzem zugewandert sind, und berücksichtigt dies in ihrer Therapie.
Auch im Bereich der Ernährung: Abstammungsstudien zeigen, daß es viele Generationen brauchte, bis sich Menschen vornehmlich mit Getreide und Milch oder bevorzugt mit Reis zu ernähren lernten. Sie schafften es sogar, die Hochtäler des Himalaya oder die Eiswüsten der Antarktis zu besiedeln. Gerade an diesen Extremfällen wird klar, daß sich solche Anpassungen nicht leicht aufheben lassen, daß sich also z. B. Eskimos schlecht in eine tropische Klimazone eingewöhnen können.

Gesundheitliche Belastungen der Moderne

In unserer „modernen“ Zeit wird unser Körper mit derart vielen künstlichen Substanzen konfrontiert wie niemals zuvor. Die in der industriellen Landwirtschaft kultivierten Lebensmittelpflanzen enthalten vermehrt chemische Zusätze aus Dünger und Pestiziden, während der Gehalt an gesunden Inhaltsstoffen stark zurückgeht. Gegenüber dieser, z. T. gentechnisch veränderten Neuzüchtungen können vor allem alte und bewährte Sorten eine urheimische Alternative darstellen. Fatalerweise droht ausgerechnet deren Anbau aufgrund einer geplanten EU-Verordnung massiv eingeschränkt zu werden. Damit nicht genug, steigt ständig das Angebot an synthetisch produzierten Nahrungsergänzungsmitteln und chemischen Medikamenten.
Das bleibt nicht folgenlos: Ein Großteil der Bevölkerung leidet an Intoleranzen und sonstigen gesundheitlichen Beschwerden. Jeder Dritte reagiert allergisch. Die unzähligen fremden Stoffe werden zu potentiellen Allergenen, auf die der Körper mit der Bildung von Antikörpern reagiert. Die Anzahl der Antikörper ist jedoch begrenzt. Treten mehr fremde Substanzen auf, als der Körper abwehren kann, kommt es zu allergischen Reaktionen und zur Belastung des Immunsystems. Das macht auf Dauer selbst den stärksten Körper krank.

Biologisch Plausibel

Eine Anpassung des Organismus an fremdartige Stoffe dauert sehr viele Generationen. Bei den Menschen haben sich im Laufe ihrer Entwicklung vor allem mittels adaptiver Radiation [a] Millionen kleinere Erbgutveränderungen entwickelt, durch die sie optimal und individuell an ihre Heimat und die dortigen Lebensbedingungen angepaßt sind. Diese genetische Anpassung vollzieht sich in sehr langen Zeiträumen (über Jahrtausende). Kurzfristige Anpassungen des Organismus (im Verlauf von Jahrhunderten) scheinen dagegen durch epigenetische Veränderungen [b] zu erfolgen. Dabei ändert sich nicht die Information des Genoms selbst, sondern nur deren nachgeordnete Nutzung bzw. Umsetzung.

Fazit:

Es ist also aus biologischer Sicht sinnvoll, die Anpassungen unseres Organismus an seine Umwelt zu nutzen. Die uns vertraute Natur stellt für den in ihr beheimateten Menschen bekömmliche und wirksame Heil- und Lebensmittel bereit. Dies gilt gerade angesichts der vielen Fremd- und Giftstoffe, mit denen sich der moderne Mensch immer wieder auseinandersetzen muß. Ohne eine Besinnung auf unsere Wurzeln ist es noch nicht abzusehen, wohin die Reise der jetzigen Generation geht, die nicht mehr urheimisch lebt.

„Wer die Gefahr negativer Auswirkungen auf die Gesundheit vermeiden möchte, sollte besser auf urheimische Lebens- und Heilmittel zurückgreifen“

resümiert der Münsteraner Genetiker Prof. em. Dr. K. Müller in einem Brief an Dr. G. Pandalis.

Neue Studien bestätigen immer wieder die urheimische Philosophie nach Dr. Pandalis und zeigen, daß beispielsweise isolierte Substanzen oftmals nicht den gewünschten Effekt erzielen. Schlimmer noch, das Gegenteil stellt sich ein: Bei Mäusen mit bestehenden Tumoren wird durch die Gabe isolierter Antioxidantien das Tumorwachstum beschleunigt [3].


1.Wennerstrand P, Mårtensson LG, Söderhäll S, Zimdahl A, Appell ML: Methotrexate binds to recombinant thiopurine S-methyltransferase and inhibits enzyme activity after high-dose infusions in childhood leukaemia. Eur J Clin Pharmacol. 2013 Sep;69(9):1641-9.
2.Urban TJ: Race, ethnicity, ancestry, and pharmacogenetics. Mt Sinai J Med. 2010 Mar-Apr;77(2):133-9.

a) adaptive Radiation = Begriff aus der Evolutionsbiologie; (lat. adaptare – anpassen; radiatus – strahlend) die Auffächerung (Radiation) einer wenig spezialisierten Pflanzen- oder Tierart in viele stärker spezialisierte Arten, wobei sie sich spezifisch an die vorhandenen Umweltverhältnisse anpassen (adaptieren).

b) Epigenetik = biologisches Fachgebiet; (gr. epi – über, außerhalb) befaßt sich mit Zelleigenschaften, die zwar vererbt werden, aber nicht in der genomischen Sequenz festgelegt sind.