Mädesüßblüten
Mädesüßblüten
Botanik

Das Mädesüß (Filipendula ulmaria L.) gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Man findet es häufig auf feuchten Streuwiesen und Auengehölzen, in Sumpfgebieten und Gewässerufern der nördlichen gemäßigten Zone. Ihr Verbreitungsgebiet reicht dabei vom nördlichen Sibirien, dem Altai und der östlichen Mongolei bis Kleinasien in die nördlichen Balkanländer, Großbritannien, Skandinavien, Süditalien, Frankreich bis nach Spanien.

Das Mädesüß ist eine Langsproßstaude mit kurzem, dicklichem Wurzelstock. Die eher unscheinbaren, cremeweißen Blüten verströmen im Sommer eine herrliche Vanille – Duftnote.

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Geschichte

Wie das Mädesüß zu seinem Namen gekommen ist, ist nicht endgültig geklärt. Es wurde früher zum Aromatisieren von Met verwendet. Der heutige Name könnte also vom Begriff „Metsüße“ stammen. Bereits bei den Kelten galt das Mädesüß als heilige Pflanze und wurde wegen der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten verehrt. Es soll belebend und reinigend auf unser Blut wirken. Mädesüß ist auch als „Wiesenkönigin“ oder „Spiraea “ bekannt. Was kaum einer weiß: Von diesen Namen leitet sich der Markenname Aspirin ab, da die Erforschung des Mädesüß als Grundlage bei der Entwicklung des Aspirins galt. Aspirin ist zwar synthetisch, doch die Urform im Mädesüß ist natürlich und urheimisch.

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Inhaltsstoffe

Der Geruch der Mädesüßblüten, besonders zur Blütezeit, ist auf den Inhaltsstoff Salicylmethylester (Spiraein) zurückzuführen. Neben Salicylmethylester enthalten die Blüten des Mädesüß auch Salicylaldehyd und vor allem Flavonoglykoside und Ellagitannine. Auch ein pflanzliches Heparin wurde in den Mädesüßblüten nachgewiesen [Kudriashov et al. 1990, 1991].

Lit.: Kudriashov et al.: The content of a heparin-like anticoagulant in the flowers of the meadowsweet (Filipendula ulmaria). Farmakol. Toksikol. (1990)

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Eigenschaften

Vor allem das in seinen Blüten enthaltene Salicylaldehyd wie auch die Salicylsäuremethylester werden in unserer Leber zu Salicylsäure umgesetzt. [1,2] Diese hemmt die Prostaglandinbildung und wirkt zusammen mit ebenfalls enthaltenen Flavonoiden fiebersenkend, entzündungshemmend und schmerzlindernd. [2]
Die Mädesüßblüten enthalten außerdem pflanzlich gebundenes Heparin, das blutverdünnende und fibrinolytische Eigenschaften aufweist, da es auf zwei verschiedene Arten hemmend auf die Gerinnungskaskade wirkt: Es bindet an den im Blut zirkulierenden Proteaseinhibitor Antithrombin III. Dadurch bindet und hemmt dieser etwa tausendfach schneller bereits aktivierte Gerinnungsfaktoren wie Thrombin und Faktor Xa. Außerdem verringert Heparin die Anzahl freier Calcium-Ionen im Blut durch Bindung. Die als Kofaktor für die Blutgerinnungskaskade benötigten Calcium-Ionen stehen dann nicht mehr für diese zur Verfügung. Daneben wird die fibrinolytisch aktive Serinprotease Kallikrein durch Heparin aktiviert. [3, 4] Daraus ergibt sich die Thromboseprophylaxe als weiteres Anwendungsgebiet. Dies ist nicht nur für chronische Venenleiden relevant, sondern auch für Menschen, die unter mangelnder Bewegung leiden, einen langen Flug vor sich haben oder aufgrund eines Schlaganfalls oder Herzinfarkt die Blutgerinnung hemmen müssen.


1. Hänsel R, Sticher O, Steinegger E (2010) Pharmakognosie, Phytopharmazie, 9., überarbeitete und aktualisierte Aufl. Springer-Lehrbuch. Springer Medizin, Heidelberg

2. Blaschek W (2014) HagerROM 2014: Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart

3. Kudriashov BA, Ammosova IM, Liapina LA et al. (1991) Heparin from the meadowsweet (Filipendula ulmaria) and its properties. Akad Nauk SSSR Biol(6): 939–943

4. Kudriashov BA, Liapina LA, Azieva LD (1990) The content of a heparin-like anticoagulant in the flowers of the meadowsweet (Filipendula ulmaria). Farmakol Toksikol 53(4): 39–41

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